KW3: Bund und Heinrich-Böll-Stiftung legen Agraratlas vor, BMEL-Ernährungsreport 2019, EU beschließt Ökodesign-Richtlinie, neues Verpackungsgesetz, Kohle-Gipfel im Kanzleramt

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NACHRICHTEN

Grüne Woche ante portas: Bund und Heinrich-Böll-Stiftung legen Agraratlas vor. 2021 beginnt in der EU die neue Förderperiode für die Landwirtschaft. Dass dort Bedarf an einer Reform besteht, darüber sind sich die Bürger einig. Rund die Hälfte von ihnen findet, dass landwirtschaftliche Betriebe zusätzlich honoriert werden sollten, wenn sie besondere Leistungen für Umwelt-, Wasser- und Naturschutz erbringen. Drei Viertel fordern besondere Unterstützung für mittlere und kleine Betriebe und ein großer Teil sieht das Höfesterben in Deutschland als großes Problem. Jedoch gibt es im Bundeslandwirtschaftsministerium Widerstände gegen Reformen. Die rund 60 Milliarden Euro an Landwirtschaftsfördermitteln sollen nach dem Willen des Bundes für Umwelt und Naturschutz radikal umverteilt werden. Dafür wurde nun der Agraratlas 2019 vorgelegt – er zeigt,  wo Gelder für die Landwirtschaft derzeit hinfließen. Nachhaltigkeit und Artenvielfalt sollen mehr im Fokus stehen.
sueddeutsche.de

Ernährungsreport 2019. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat den Ernährungsreport 2019 heraus gebracht. Darin zeigt sich ein paradoxes Bild: 9 von 10 Deutschen gaben an, dass ihnen gesunde Ernährung wichtig sei. Was dann auf dem Teller landet, ist allerdings eine andere Sache. Laut Ernährungsministerin Julia Klöckner liegen Fertiggerichte nämlich voll im Trend. Zwar sei Geschmack beim Essen das wichtigste Kriterium, 99 Prozent der Befragten wollen darauf besonderen Wert legen. Aber auf Fleisch wollen die wenigsten verzichten, und auch die Zubereitung muss schnell und einfach sein. Jeder Fünfte greift täglich zu Süßigkeiten und jeder Zehnte kocht nie. Die gute Nachricht: Fast die Hälfte der Befragten gab an, beim Einkauf auf Bio-Siegel zu achten.
spiegel.de

EU beschließt Ökodesign-Richtlinie. Die EU-Kommission und Mitgliedsstaaten haben sich auf neue Ökodesignanforderungen für Waschmaschinen, Kühlschränke, Leuchtmittel, Fernseher und Geschirrspüler geeinigt. Mit Hilfe der neuen Anforderungen sollen Haushaltsgeräte ressourcenschonender werden. Neben einer längeren Lebensdauer verspricht die Regelung auch eine bessere Recyclingfähigkeit. Irmela Colaco vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland begrüßt die neue Regelung, da so der Verbrauch begrenzter Ressourcen eingedämmt würde. Kritisiert werden jedoch die Anforderungen zur Reparierfähigkeit der Geräte. Umweltverbände bemängeln, dass diese nicht konsequent genug umgesetzt sein – der Wegwerftrend würde so nur bedingt umgekehrt werden.
vzbv.de

Das neue Verpackungsgesetz. Rund 220 Kilogramm pro Kopf und Jahr fallen in Deutschland an Verpackungsabfällen an. Wir sind damit europäischer Spitzenreiter. Gute Neuigkeiten also, dass ab Januar das neue Verpackungsgesetz in Kraft getreten ist. Das Gesetz macht sich ehrgeizige Ziele, es soll helfen, dass mehr Verpackungen eingesammelt und recycelt werden. So soll der Anteil des recycelten Abfalls schrittweise bis 2022 erhöht werden, wie zum Beispiel beim Plastik, dessen Recyclingquote von 36 auf zunächst 58,5 und dann auf 63 Prozent steigen soll. Auch sollen ab diesem Jahr 70 Prozent aller Getränke in Mehrwegverpackungen verkauft werden. Verpackungen sollen zudem Recyclate enthalten – Stoffe, die beim Recyceln entstanden sind. Der VKU kritisiert, dass keine Verpflichtung zur Verwendung von Recyclaten besteht. Die DUH kritisiert die niedrigen Lizenzentgelte, welche Hersteller für die Entsorgung ihrer Verpackungen an duale Systeme zahlen müssen.
faz.net

Kohle-Gipfel im Kanzleramt. Am Dienstag findet im Kanzleramt das Spitzentreffen zum Kohleausstieg statt. Zu 19 Uhr hat Kanzlerin Merkel mehrere Bundesminister, die Chefs der Kohlekommission sowie die Regierungschefs der Kohle fördernden Lände eingeladen. Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen erhoffen sich von dem Treffen verbindliche und konkrete Zusagen für den Strukturwandel in den Braunkohleregionen. Dafür soll bis Ende Januar ein Konzept für den Ausstieg aus der Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle in Deutschland vorliegen. Klimaschutz sowie die Erhaltung von Arbeitsplätzen sollen dabei in Einklang gebracht werden. Bisher hatte man sich auf kein Konzept einigen können. Der Kohlekommission sind bei Zusagen für Finanzhilfen allerdings die Hände gebunden – die Hoheit über den Bundeshaushalt liegt beim Bundestag.
lr-online.de

Ökotrends der Bundesliga Mehr Sein als Schein? augsburger-allgemeine.de
Hawaii Letzte Schnecke ihrer Art gestorben theguardian.com
Nashorn-Luftfracht Film zeigt abenteuerliche Reise zeit.de
Hund, Katze, Maus Die Ökobilanz von Haustieren fr.de

ZAHL DES TAGES

Es wird weiter geschummelt: Durchschnittlich 39 Prozent mehr Sprit als angegeben verbrauchen Neuwagen, wie aus einer Studie der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor geht. Daran scheinen auch Umweltvorgaben und Abgasskandale nichts geändert zu haben.
spiegel.de

ZITAT

„Der Vielfalt des Lebens einen Geldwert zu geben, ist ein sicherer Weg, sie zu töten.“
Edward O. Wilson, Zoologieprofessor an der Harvard University und dreifacher Pulitzerpreisträger, debattiert mit der Meeresbiologin Antje Boetius in Die Zeit über Klimalösungen.
zeit.de

HINTERGRUND

Ozeane erwärmen sich schneller als erwartet. Es gehört zum Geschäft des Weltklimarat IPCC, seine Prognosen laufend zu korrigieren. Dieses Mal war es jedoch eine besonders beunruhigende Korrektur: Die Ozeane erwärmen sich viel schneller als erwartet. Den neuen Veröffentlichungen aus dem Science Mag zufolge waren die vergangenen drei Jahre allesamt die heißesten seit Beginn der Messungen. Das Problem ist, dass die Meere ein sehr träges Speichermedium sind und überschüssige Energie und Wärme, die beim Klimawandel entsteht, speichern. An ein schnelles Abkühlen ist also garnicht zu denken. Verglichen mit den sechziger Jahren hat sich die Aufheizung der Meere inzwischen um vierzig Prozent verstärkt – Tendenz weiter steigend.
faz.net

Vermögensverwaltung: Geld bewegt die Umwelt. Werner Hedrich ist Chef der deutschen Globalance Invest. Nach eigenen Angaben handelt es sich bei dem Unternehmen um den weltweit ersten Vermögensverwalter, der das Geld seiner Kunden so anlegt, dass es im Einklang mit dem Ziel der Weltklimakonferenz steht, die globale Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Hedrich stellte fest, dass viele Anleger nicht wissen, wie ihre Geldanlagen Gesellschaft und Umwelt beeinflussen. Mit Hilfe eines ökologischen Fußabdrucks soll den Anlegern dies deutlicher vor Augen geführt werden. Hedrich schaut ganz genau hin, mit welchen Unternehmen Globalance Invest zusammen arbeiten soll. So sind beispielsweise Unternehmen, die Atomkraftwerke betreiben oder auf fossile Brennstoffe setzen, tabu.
sueddeutsche.de

Die weiße Seite des Klimawandels. Eine Folge des Klimawandels sind steigende Temperaturen. Dass dabei aber auch langanhaltender, meterdicker Schneefall vorkommen kann, wie das derzeit im Süden Deutschlands und in den Alpen der Fall ist, sollte viele überraschen. Ursache dafür ist die extreme Erwärmung des hohen Nordens und die Aufheizung der Ozeane. Die Arktis erwärmt sich seit Jahrzehnten sehr viel schneller als die südlicheren Regionen. In Folge werden Luftströmungen zwischen Nord und Süd blockiert, Wetterphänomene setzen sich regelrecht fest.
faz.net

Eine Alternative zur „Fast Fashion“. Die Branche um Second Hand Kleidung erfährt einen regelrechten Boom. In Berlin und Hamburg sind die Preise für gebrauchte Kleidungsstücke in den letzten Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Selbst in kleineren Städten wie Bielefeld erfreuen sich Händler des guten Geschäfts: Das muffige Öko-Image, das Secondhand lange umwehte, ist längst der Massentauglichkeit gewichen. Secondhand gilt heute vor allem unter jungen Leuten als modisches Statement, auch der Umwelt zuliebe.
spiegel.de

KOMMENTAR

Banken als Klimaretter. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, äußert sich in der Frankfurter Rundschau zur Rolle des Bank- und Finanzsystems bei der Abkehr vom Klimawandel. Kritische Kipp-Punkte könnten schon bald erreicht sein – Banken könnten durch gezielte Maßnahmen unterstützend eingreifen.
fr.de

FOTO DER WOCHE

Eishockey-Referees im Panda Look. Die Deutsche Eishockey Liga macht sich weiter für den Tierschutz stark: Ab sofort werden alle DEL-Schiedsrichter auf ihren Trikots den WWF-Panda auf der Brust tragen.

© Copyright: AS Sportfoto / Soerli Binder

 

www.ran.de

TIERISCH

Fliegende Belugawale. Im kommenden Frühling wird sich ein Flugzeug mit einer besonderen Fracht auf den langen Weg von China nach Island machen. An Bord werden sich zwei Belugawale befinden. Ihr Ziel: Das weltweit erste offene Weißwalschutzgebiet. Dabei handelt es sich um die selbe Bucht, in der auch der berühmte Wal Keiko aus Free Willy zuhause war. Das Projekt ist eine Initiative von Merlin Entertainment, eins der weltweit größten Freizeitparkunternehmen.
grapevine.is

TERMINHINWEIS

Wir haben es satt! Am 19. Januar findet in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine Demo für gutes Essen und eine gute Landwirtschaft statt:

NICHT MEHR GRÜN

Klopapier im Mopsdesign. Laut einer WWF-Studie verbrauchen Europäer jährlich rund 22 Milliarden Rollen Toilettenpapier. Das entspricht rund 40 Rollen pro Person. Seit Dezember kommt von der Drogeriekette DM ein Unikat dazu: Bedruckt mit einem Mops, der einen schwarz-weiß gestreiften Pullover trägt, einen Blumenkranz auf dem Kopf hat und in einer Sprechblase „I love you“ sagt. Es handelt sich um eine limitierte Edition, und es soll sogar schon zu Hamsterkäufen gekommen sein. Ob diese Dekadenz noch zu steigern ist?
taz.de

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