KW50: Minimalkonsens auf Klimagipfel, Ostseetunnel vor dem Aus, brasilianische Kernbrennstäbe Made in Germany, neue CO2-Grenzwerte für Neuwagen

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NACHRICHTEN

Klimagipfel: Minimalkonsens nach Verlängerung. Nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft nun auf ein Regelbuch geeinigt, wie diese Ziele auch erreicht werden können. Das „Rulebook“ wurde in Kattowitz geschrieben, redigiert und veröffentlicht. Die 24. Weltklimakonferenz hat ihr Minimalziel somit erreicht, die umfangreichen Regeln sind jedoch unverständlich formuliert. Zwar geben sie klare Regeln an, wie und wann ein Land seine Klimabelastungen offen legen muss, doch ob die Idee des „naming and shaming“ vor dem Hintergrund rechtspopulistischer Staatschefs noch funktioniert, wird sich zeigen. Grüne und Linke kritisieren die Regeln schon jetzt als gescheitert, vielerorts werden die Regeln als zu naiv verstanden. Immerhin gibt es eine „High Ambition Coalition“, der auch Deutschland beigetreten ist. Die Koalition will die Klimaziele besonders ehrgeizig verfolgen.
welt.de

Aus für Fehmarnbelt-Tunnel. Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg (EuG) hat die Genehmigung der Belttunnel-Finanzierung zurückgenommen. Hintergrund waren Vermutungen, dass die Europäische Union das Finanzierungsmodell auf dänischer Seite zu schnell durch gewunken haben soll. Dänemark sollte den 5,1 Milliarden Euro teuren Bau des Tunnel mit Hilfe einer staatlichen Gesellschaft finanzieren, welche günstige Kredite aufnehmen kann. Das EuG entschied nun, dass diese Staatsgarantien, die der Tunnelfirma Millionen Euro Zinsen ersparen, als unzulässige Beihilfe gelten. Der 18 Kilometer lange Tunnel auf dem Boden der Ostsee hätte Fahrtzeiten von unter zwei Stunden zwischen Hamburg und Kopenhagen ermöglicht. Umweltschützer protestieren seit lange gegen das nun endgültig gestoppte Projekt.
mopo.de

Brasilien: Kern-Brennstäbe Made in Germany. In Brasilien ist Ende Oktober der rechtsextreme Jair Bolsonaro ins Amt gewählt worden. Die Bundesregierung, welche offiziell aus der Atomenergie aussteigt, hält dies offenbar nicht davon ab, weiterhin angereichertes Uran an die Regierung in Südamerika zu verkaufen. Wirtschafts-Staatssekretär Ulrich Nußbaum sagte in einer Antwort an die Grünen, dass weder aus außenpolitischer, noch aus energiepolitischer Sicht eine Notwendigkeit bestünde, das Abkommen zu kündigen. Brasilien weigert sich bisher, ein Zusatzprotokoll zum Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag zu unterzeichnen. Bolsonaro wird Anfang kommenden Jahres seine Amtstätigkeit beginnen; er sieht den US-Präsidenten Trump als Vorbild und hat mit seinen Äußerungen für Empörung gesorgt. Er steht für eine Politik der rücksichtslosen Ausbeutung des Regenwaldes und indigener Völker.
n-tv.de


Keinen Weihnachtsmann, sondern den Meeresgott Poseidon schickte die DUH nach Brüssel, um ihrer Forderung nach einem Ende der Überfischung mit 350.000 Unterschriften Nachdruck zu verleihen. In dieser Woche werden die Fangquoten u.a. für die Nordsee verhandelt. Foto: Dave Walsh / Our Fish

EU: Neue CO2-Grenzwerte für Neuwagen. Die EU möchte bis 2030 deutlich klimafreundlichere Autos auf europäischen Straßen sehen. Am Montag, nach Ende der UN-Klimakonferenz in Kattowitz, hat sie nun neue CO2-Grenzwerte für Neuwagen eingeführt, die die Autoindustrie massiv unter Druck setzen: Im Schnitt 37,5 Prozent weniger Kohlendioxid sollen Neuwagen dann produzieren als noch 2021. Die Autoindustrie reagiert entsetzt und weist auf den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen hin, die Bundesregierung reagiert jedoch auf die Regelungen, welche bei der Klimakonferenz getroffen wurden. Deutschland wollte ursprünglich nur 30 Prozent Minderung. Die Emissionen sollen nun in Etappen verringert werden.
merkur.de

WWF-Chef im Interview: Eberhard Brandes kritisiert das Scheitern der Politik waz.de
Nach Rekordsommer: „Heißzeit“ zum Wort des Jahres gekürt welt.de
Studenten mit Ziel: Klimaschutz für Einsteiger jetzt.de
Gift im Weihnachtsbaum: Warnungen vor Insektiziden und Glyphosat weser-kurier.de

ZAHL DES TAGES

133 Seiten lang ist das am Samstagabend auf der UN-Klimakonferenz in Kattowitz beschlossene Regelbuch.
sueddeutsche.de

ZITAT

„Ihr sprecht nur von grünem, ewigen Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen. Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen.“
Die Schwedin Greta Thunberg sorgte bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz für Aufsehen. Die ungewöhnlich ehrlichen Worte der 15-jährigen zur derzeitigen Situation in der internationalen Klimapolitik trafen einen Nerv.
faz.net

PANDASTISCH

HINTERGRUND

Druckbetankung für E-Autos. Elektroautos eilt noch immer ein Ruf der fehlenden Praktikabilität voraus. Neben Ängsten einer zu kurzen Reichweite wird auch das lange Aufladen oft kritisiert. Das soll sich jetzt ändern, denn das Nachtanken von E-Mobilen soll bald so schnell möglich sein wie bei Benzin und Diesel – dank dem deutschen Forschungsprojekt Fastcharge, welches aus den Firmen Allego, BMW, Phoenix-Contact, Porsche und Siemens besteht. An der A8 zwischen Ulm und Augsburg, steht eine neue Schnellladestation, die es möglich macht: So liess sich ein Porsche Panamera mit einer Batteriekapazität von etwa 90 kWh mit einer Leistung von mehr als 400 kW betanken. Das Forschungsprojekt wird vom Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bereits mit 7,8 Millionen Euro unterstützt.
nzz.ch

Große Geschäfte: Kohle aus Kot. Im Journal of Cleaner Production wurde eine Studie präsentiert, in der die israelischen Forscher Amit Gross und Reut Yahav-Spitzer von der Ben-Gurion-Universität im Labor menschlichen Kot in Kohle verwandelt haben. Sie haben dafür in einem Druckgefäß den Kot unter starker Hitze zu Kohle gepresst, so wie auch Kohle in wesentlich längerer Zeit natürlich entstanden ist. Was sonst Jahrtausende dauerte, war im Labor in maximal zwei Stunden erledigt. Während des Versuchs sei wesentlich mehr Energie entstanden, als für die Herstellung der Kohle verbraucht wurde – ein Hoffnungsschimmer für zukünftige Energieträger.
wn.de

Neue WWF-Website: Umweltschutz aus dem Weltraum. Der WWF hat eine neue Website gestartet, welches die innovativsten Projekte zum Umweltschutz rund um den Globus bündelt und vorstellt. Die Seite Space Science bedient sich dabei neuester Technologien, um Ökosysteme weltweit zu schützen. Dabei kommen auch Satellitenbilder- und Aufnahmen zum Einsatz. Die Seite wird regelmäßig mit neuen Projekten aktualisiert.
space-science.wwf.de

KOMMENTAR

Rot-Grün kapituliert vor den Pyromanen. Stephan Wiehler denkt, was den Amerikanern ihr Recht auf Waffen ist, ist den Deutschen ihr Recht auf ihr Silvesterfeuerwerk. Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes geben Deutsche jährlich zwischen 100 und 200 Millionen Euro geben wir jährlich für Raketen und Knaller aus. Dabei werden mit 5000 Tonnen Feinstaub rund 17 Prozent der jährlichen Emissionen im Straßenverkehr in die Luft geblasen. Dass sich deutsche Städte, allen voran Berlin, sich einmal im Jahr in einen Kriegsschauplatz verwandeln muss, findet Stephan Wiehler bedenklich. Böllerei sei keine Naturgewalt, und man kann sie bezwingen – zur Not auch politisch.
tagesspiegel.de

FOTO DER WOCHE

TIERISCH

Fremde Spezies bedrohen Europas Biodiversität. Forschern des Englischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie und 43 weiteren Forschern aus ganz Europa ist es gelungen, 66 Tierarten zu identifizieren, welche im Falle einer Einwanderung für die Biodiversität Europas das größte Risiko darstellen. Es handelt sich dabei um Tierarten, die bisher noch nicht in Europa beheimatet sind und aus anderen Weltregionen stammen. Der Umfang der Studie war außergewöhnlich groß. Es handelt sich bei den Spezies vor allem um Fische, Muscheln, Schnecken und Seegräser.
nhm.ac.uk

NICHT MEHR GRÜN

Unfaire Schoko-Nikoläuse. Laut Berichten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ist der Anteil, den die Kakaoproduzenten vom Endverkaufspreis für Schoko-Weihnachtsmänner erhalten, in den letzten Jahrzehnten immer weiter gesunken. Obwohl Fairtrade im Oktober kommenden Jahres den Mindestpreis für Kakao um 20 Prozent erhöhen will, klagen viele Bauern entlang des Äquators noch immer über unzureichende Gewinnmargen. Ohnehin ist nur rund ein Drittel der verkauften Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet. Richtig abkassieren können dagegen Hersteller und Einzelhändler. Ihnen kommen drei Viertel des Verkaufspreises von Schokoprodukten zu. So fair ist der Weihnachtsmann dann doch nicht.
taz.de

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